14 August, 2015 14:33

Wieder zu Hause

Nachdem uns unsere erste Wanderung (Morgenberghorn) einen fast 4-tägigen Jahrhundertmuskelkater beschert hatte, beschlossen wir es nun etwas ruhiger angehen zu lassen. So machten wir uns am Mittwoch bei schönstem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen auf in die Bächlitalhütte. Wir genossen die frische Bergluft, tolle Ausblicke, Fussbad im eiskalten Bergsee und natürlich den feinen Aprikosenkuchen in der Berghütte J.

Ja wir sind definitiv wieder zurück in der Schweiz. Es ist vieles passiert in diesem letzten Monat und manchmal kommt es uns noch viel länger her vor, seit wir unsere Joy in Holland zurückgelassen haben.

Von Dieppe segelten wir direkt nach Roompot in Südholland. Dieses letzte Stück unserer Reise hatte es noch einmal in sich. Zuerst riss die Genuaschot (wir dachten, sie schafft es noch bis zurück) und dann wurde die Nachtfahrt vor Antwerpen im englischen Kanal noch so richtig Nerven aufreibend. Wir haben wohl im gesamten Jahr nicht so viele AIS Alarme gehabt, wie in dieser einzigen Nacht. Kaum waren wir einem Frachter ausgewichen, kam auch schon der nächste.

Wir sind aber am nächsten Morgen gut in Holland angekommen. In Roompot haben wir nun einen Platz gefunden, wo wir Joy den Winter über aus dem Wasser nehmen und lagern können. Sie hat in diesem Jahr doch ein bisschen gelitten was ihre Schönheit betrifft. Matthias wird sich darum diesen Herbst dann noch einmal aufmachen nach Holland und sich einige Wochen der Schönheitspflege unserer Joy widmen J. Anschliessend werden wir versuchen, sie zu verkaufen. Wir werden sehen was passiert und halten uns auf jeden Fall alle Möglichkeiten offen.

Hier in der Schweiz haben wir bereits ein neues zu Hause gefunden, sind eingezogen und auch schon ziemlich gut eingerichtet. Natürlich fehlt nun noch das eine oder andere, aber im Improvisieren sind wir ja beide gut. Auch die Jobsuche wird nun bald ein Thema sein, aber wir wollen beide nichts überstürzen und vielleicht wartet ja das genau richtige Angebot schon irgendwo auf uns. Und bis es so weit ist, geniessen wir weiterhin die Freiheit ohne Wecker und von Tag zu Tag zu leben.

Ja unser Reisejahr gehört nun bereits der Vergangenheit an. Es war ein sehr intensives, manchmal wunderschönes, manchmal auch anstrengendes Jahr, das wir gemeinsam erleben durften. Und auch wenn es nun vorbei ist, vieles wird bestimmt bleiben, viele Erinnerungen die uns auch weiterhin begleiten werden. Was uns die Zukunft bringen wird ist noch offen, aber wir sind auf jeden Fall sehr gespannt!

16 July, 2015 09:08

Fahrt im Nebel

Position: N 49° 57,043´ E 000° 33,648´

Wir sind auf dem Weg nach Dieppe, wo wir noch einmal einen letzten Halt einlegen werden. Dies da Gegenwind Vorhergesagt ist und in der Nacht auf Freitag noch starker Wind.
Auch müssen wir wieder Diesel tanken. Der Motor läuft jetzt schon seit 24h, da es keinen Wind hat. Gestern Abend kam dann Nebel auf, welcher in der Nacht zu einer Sichtweite von unter 50m führte. Da waren wir froh um unseren Radar mit welchem wir die vielen Fischerboote ohne AIS umfahren konnten.

12 July, 2015 09:07

Warten auf Einlass

Position: N 49° 30,231´ W 002° 30,037´
Meilen bis zum Ziel: 0,1nm

Wir warten im Moment an einer Boje vor der Marina in Guernsey. Leider ist das Wasser schon zu tief damit wir noch über die Schwelle fahren können. In ca. 7-8 Stunden sollte dass Wasser wieder hoch genug sein. Insgesamt waren wir 1430nm seit Flores unterwegs. Die letzten Tage waren ausser der Temperaturen relativ gemütlich.
Uns geht es gut und Joy hat keine Schäden. Wir werden in ein paar Tagen nach Holland weiterfahren.

12 July, 2015 09:06

Warten auf Einlass

Position: N 49° 30,231´ W 002° 30,037´
Meilen bis zum Ziel: 0,1nm

Wir warten im Moment an einer Boje vor der Marina in Guernsey. Leider ist das Wasser schon zu tief damit wir noch über die Schwelle fahren können. In ca. 7-8 Stunden sollte dass Wasser wieder hoch genug sein.
Insgesamt waren wir 1430nm seit Flores unterwegs. Die letzten Tage waren ausser der Temperaturen relativ gemütlich.
Uns geht es gut und Joy hat keine Schäden. Wir werden in ein paar Tagen nach Holland weiterfahren.

8 July, 2015 11:59

Besuch der kleinen Wale

Position: N 47° 51,9´ W 013° 54,5´
Meilen bis zum Ziel: 455nm

Eigentlich hatten wir uns immer gesagt, dass ein „richtiger Wal“ mindestens so gross wie die Joy sein sollte. So einen haben wir bis jetzt leider noch nicht gesehen.
Dafür hatten wir heute Besuch von einer Schule „kleiner Wale“. Genau Bestimmen konnten wir sie nicht, da sie nicht in unserem Buch vorkommen.

Der Wind hat über Nacht ziemlich abgenommen und bewegt sich jetzt zwischen 12-18kn. Auch die Wellen sind schon viel kleiner. Heute und Morgen könnte es noch eine
Flaute geben, da wir bis jetzt den Motor noch nicht gebraucht haben sind unsere Dieseltanks noch voll und wir könnten im Notfall auch noch 2-3 Tage unter Motor fahren.

6 July, 2015 13:26

Position: N 46° 22,9´ W 019° 47,9´
Meilen bis zum Ziel: 711nm

Die letzten zwei Tage hatten wir mit bis zu 35kn wieder ziemlich viel Wind. Westlich von uns war wieder ein Sturmtief welches sich aufgelöst hat, uns aber seit zwei Tagen mit hohen Wellen beliefert. Gestern hatten wir noch einen defekt an unserem Kocher. Um die Wellenbewegungen auszugleichen sind die Kocher auf Segelschiffen kardanisch (beweglich) aufgehängt. Bei uns ist jetzt diese Aufhängung gebrochen. Ich werde versuchen diese heute zu reparieren. Kochen können wir aber trotzdem.

Die Wetteraussichten sind für die nächsten Tage relativ gut. Im Moment benützten wir Grib Files und Text Files von Meteo France als Wettervorhersage. Die Grib files sind vom Computer berechnete Vorhersagemodelle welche in speziellen Programmen angezeigt werden können. Wir haben die Erfahrung gemacht dass diese bei normalen und starken Wind meistens zu wenig vorhersagen. Die Text Files sind noch hilfreich, da diese von einer Person erstellt werden welche die Modelle interpretiert. Der Atlantik ist in Quadrante aufgeteilt (z.B. Altair, Faraday, Charcot, usw….) für welche dann die Vorhersagen gemacht werden.
Gestern war das erste mal wo für unseren Quadranten keine Sturmwarnung oder beinahe Sturmwarnung (gale warning or near gale warning) ausgegeben wurde. Die Wettervorhersage sieht ziemlich gut aus leider könnte aber am Donnerstag oder Freitag Gegenwind aufkommen. Bis dahin kann sich aber noch viel ändern in der Vorhersage:-).

3 July, 2015 12:31

Position: N 42° 03,5´ W 027° 04,2´
Meilen bis zum Ziel: 1120nm

Die erste Nacht wieder auf See haben wir beide nicht wirklich viel geschlafen. Das heisst ich vielleicht 2h und Ursula keine. Die letzte Nacht war da schon besser. Erstens waren die Wellen wieder kleiner und der Wind schwächer und zweitens haben wir uns schon wieder ein wenig an die Schiffsbewegungen gewöhnt.
Die Vorhersagen sind immer noch gut und wir kommen mit ca. 100 bis 130nm pro Tag unserem Ziel näher. Morgen um diese Zeit sollte die Distanz zum Ziel nur noch 3-stellig sein. Darauf freue ich mich schon. Wir haben sowieso unterschiedliche Taktiken uns zu freuen. Ursula zählt von 1/6 an aufwärts. Für mich stehen eher die geraden Zahlen im Hintergrund. Als aus der 2 eine 1 wurde war mein erster Bergpreis und natürlich dann morgen wenn die Distanz nur noch 3-stellig ist.

An was wir uns sehr schwer gewöhnen ist das Wetter, welches hier auf dem Nord Atlantik nass und kalt ist. Wir haben auch um die Mittagszeit nicht mehr als 18 Grad. Da wir das letzte halbe Jahr immer schön warm hatten ist dies jetzt eine grosse Umstellung.

1 July, 2015 14:17

Weiterfahrt in Richtung Europa

Position: N 39° 26,3´ W 030° 59,0´
Meilen bis zum Ziel: 1355nm

Nach unserem Ausweichmanöver In Richtung Flores welches die westlichste Azoren Insel ist wegen eines grossen Tiefdruckgebietes welches genau auf unserem Kurs nach Europa war, sind wir jetzt seit einer Stunde wieder unterwegs in Richtung Europa.
Die Wettervorhersage für die nächsten 8 Tage ist gut, bis auf heute Nacht wo wir noch ein wenig mehr Wind erwarten. Wir Rechnen je nach Wind mit einer Überfahrtszeit von 11-14 Tagen.

26 June, 2015 13:59

26.06.2015

Position: N 40° 07,9´ W 036° 28,5´
Meilen bis zum Ziel: 1553nm

Auch die letzte Nacht hatten wir wieder mehr Wind als Vorhergesagt. Mit bis zu 33kn
war dies aber kein grosses Problem. Leider kommt der Wind aus einem Winkel von 90-110 Grad.
Normalerweise wäre dies ein schöner Segelwind, nur bei dieser Stärke baut sich auch schon eine relativ unkomfortable Welle auf die natürlich auch von der Seite kommt.

Dem nächsten Tief wollen wir Ausweichen indem wir in Richtung ESE fahren. Dies haben wir vor ein
paar Tagen entschieden, weil die Vorhersage ziemlich schlecht war. Windgeschwindigkeiten bis 60kn
und über 6m Welle soll dieses Tief bringen welches unsere Bahn am Sonntag Mittag/Abend kreuzen soll.
Darum fahren wir jetzt in Richtung Flores. Dies ist die westlichste Azoren Insel. Dort wollen wir das Tief
abwarten und dann mit den nächsten guten Winden wieder starten. Wir werden Flores am Sonntag Vormittag/Mittag erreichen.
Laut den letzten Vorhersagen wird das Tief doch nicht so stark, aber dafür weiter südlich sein.

25 June, 2015 11:57

Sturmnacht, Dienstag

Es ist 02:00 Uhr, ich sitze am Navigationspult und überwache am Radar die vorbeiziehenden Regenzellen, halte nach allfälligen Schiffen Ausschau (zur Zeit hat es weit und breit nirgends ein Schiff) und beobachte, wie der Wind von einem Rekord zum nächsten hochschiesst. Zuerst 40 Knoten, dann 50 und dann der bisherige Spitzenwert mit 53 Knoten.
Matthias ist draussen, warm eingepackt in seinem Ölzeug, allzeit bereit das Steuer zu übernehmen, wenn es dem Autopiloten zu viel werden sollte. Wir segeln nur noch unter Genua und auch die ist stark gerefft. Dennoch erreichen wir locker Geschwindigkeiten von 10 Knoten und mehr, wenn es die Wellen runter geht. Die grösste Welle bisher hat uns kurzzeitig auf über 15 Knoten beschleunigt, normalerweise ist das eher das Tempo der grossen Frachter.
An Schlaf ist heute Nacht nicht zu denken, die Joy schaukelt wie noch selten und ich bin unglaublich froh, bin ich nicht mehr seekrank 🙂
Immer wieder mal trifft uns eine besonders grosse Welle und dann fliegt hier unter Deck schon so das eine oder andere herum. Wenn dann jeweils wieder ein ruhiger Moment kommt, mache ich mich ans Aufsammeln und Aufräumen.
Laut Vorhersage soll es ab Morgen früh wieder ruhiger werden, schauen wir mal, was da noch so alles kommt.

Bisher hat es der Nordatlantik ja eigentlich sehr gut mit uns gemeint. Die ersten 10 Tage waren viel angenehmer als erwartet und im Vergleich mit dem Start unserer letzten Überquerung, war es dieses mal schon fast gemütlich. Ich war gerade mal während einem Tag seekrank und auch da nicht so richtig schlimm.
Eigentlich gibt es vom ersten Teil unserer Reise auch noch gar nicht so viel zu erzählen. Wettertechnisch ist der Nordatlantik definitiv abwechslungsreicher , als wir das mit dem stetigen Passatwind im Süden erlebten. Das Wetter hier wird vorwiegend von vorbeiziehenden Tiefs bestimmt. Windmässig hatten wir schon alles von Flaute bis ziemlich stürmisch, so wie heute Nacht. Ausserdem werden wir hier auch immer wieder mal mit einer neuen Windrichtung überrascht, so dass es nie ganz langweilig wird. Temperaturtechnisch wird es nun kühler, langsam aber sicher kommen unsere wärmeren Kleider wieder zum Einsatz. Oft ist es bewölkt, von Regen sind wir bisher aber meistens verschont worden.
Auch das Wasser wird langsam kühler, was wir bei unseren fast täglichen Duschen an Deck immer wieder von neuem mit Schrecken feststellen. Daran werden wir uns nun aber wohl wieder gewöhnen müssen.
Wir konnten bisher fast täglich unser frisches Brot backen und richtige Menu,s kochen. Die Zeit der Büchsenravioli wird aber bestimmt auch noch kommen 🙂
Ansonsten haben wir mit einer netten Möwe Bekanntschaft gemacht, welche während der Flaute, wo wir nur so vor uns hindümpelten, friedlich neben uns im Wasser sass und nicht von unserer Seite wich. Auch den ganzen nächsten Tag flog sie dann noch mit uns mit und begleitete uns so auf unserem Weg. Immer wieder mal haben wir Delfine gesehen, die scheinen hier im Norden aber irgendwie nicht so verspielt zu sein wie ihre südlicheren Artgenossen. Meist schwimmen sie nur kurz mit uns mit und sind im nächsten Moment auch schon wieder weg.

Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen, jassen, nichts tun und auch immer wieder ein bisschen Schlaf nachholen. Einer von uns liegt eigentlich meistens unter Deck in unserem „Chischtli“ (sage ich) oder „Näschtli“ (sagt Matthias). Unser Bett, in dem wir jeweils unterwegs schlafen, hat auf der Seite ein Brett, so dass wir auch wenn es schaukelt nicht herausfallen können. Auch wenn man fürs „Einsteigen“ immer erst über dieses Brett klettern muss, ist das doch trotzdem eine sehr praktische und unverzichtbare Erfindung, ohne die unterwegs überhaupt nicht an Schlafen zu denken wäre.

In diesem Moment hat uns wieder eine Riesenwelle erwischt und wir sind mit unglaublichen 18,8 Knoten Tempo runtergesaust! Ein bisschen wie Achterbahnfahren ist das.

Wenn wir in dem Tempo weiterrasen würden, wären wir in weniger als 10 Tagen in Europa. Angenehm würde das aber nicht, darum hoffen wir sehr, dass es noch ein bisschen länger dauern wird 🙂 Es sind jetzt noch genau 1800 Meilen bis zum Ziel, bald ist also die Hälfte geschafft.

03:00 Uhr : Barometer scheint auf dem Tiefpunkt angekommen zu sein. Seit zwei Stunden beträgt der Luftdruck 1003 und fällt nicht mehr weiter….

04:00 Uhr: Wind ist „nur“ noch zwischen 30 und 40 Knoten, der Luftdruck beginnt zu steigen, langsam wird es besser 🙂

Mittwoch

Wir waren beide todmüde nach dieser Nacht, nun haben wir bereits etwas nachgeschlafen. Die stürmischen Winde haben wir ohne Schäden am Boot überstanden und uns geht es gut. Das Wetter scheint sich nun aber definitiv geändert zu haben, wir sind im Norden angekommen. Es ist kalt und bleibt windig und die Büchsenravioli werden nun wohl doch noch zum Einsatz kommen 🙂
Da laut Vorhersage bereits ein nächstes grosses Tief im Anmarsch ist, haben wir nun beschlossen unsere Route zu ändern und, entgegen der vorherigen Planung, wieder eher südwärts Richtung der Azoren zu fahren. Voraussichtlich werden wir am Sonntag auf Höhe der Azoren sein und dann entscheiden wir vor Ort, ob wir allenfalls noch einen kurzen Zwischenstopp auf diesen Inseln einlegen. Wir werden euch auf dem Laufenden halten.